Spannender hätte es nicht sein können.

Unser Spendenziel waren 120 Qurban. Es sah zunächst nicht danach aus, dass es erreicht wird. 6 Tage vor dem Ende der Kampagne waren 35 Qurban gespendet. Doch dann passierte etwas schier Unglaubliches. Drei Tage vor der Abgabefrist kam eine Qurbanspende von 33 Hammeln auf unser Konto. Anschließend noch einige mit 3 und 4 Qurban. Am Abend vor dem Ende sammelten einige Schwestern noch und innerhalb einer Stunde kam noch ein Qurban zusammen.

Das gesammelte Geld konnten wir zu einem äußerst günstigen Kurs wechseln, und schon ging es kurz nach dem Mittagsgebet weiter zum Viehmarkt. Auf dem Weg dorthin stieg die Vorfreude. Rechts und links am Strassenrand Händler mit ihren kleinen Herden. Aber es waren für uns nicht genug. Unser Ziel waren die Großhändler.

Ich habe noch nie so viele Schafe auf einmal gesehen. Ein guter Hektar voller Schafe, so weit das Auge reicht und eine reine Männerdomäne. Ich war die einzige Frau und die einzige Weiße noch dazu. Komisches Gefühl. Ich blieb zunächst mit Modou im Auto, bis mein Mann und Kalilu einen Händler gefunden und schon die ersten Vorgespräche geführt wurden. Zunächst hatten sie Preise aufgerufen, die weit über unserem Budget lagen. Im letzten Monat sind die Preise um über 30 % gestiegen.

Kalilu und Mohammed holten uns dann ab. Jetzt würde es um die Feinheiten gehen. Der Weg zum Händler war weit, denn die großen Herden waren ganz am Ende. Sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg sprangen immer wieder Männer vor meine Nase, um mir „ihren Hammel“ the one and only anzupreisen. Und dennoch war es ein berauschendes Gefühl von so vielen Menschen umgeben zu sein, die das Opferfest ernst nahmen.

An unserem finalen Ort angekommen, sprach uns ein junger Mann an. Er hatte zwei Schafe zu verkaufen, kommt aus einer armen Familie und benötigt das Geld, um über die Runden zu kommen und seine Lieben zu ernähren. Wir kauften seine zwei Schafe. Das waren übrigens Zwillinge. Sie waren so verbunden, dass als der eine schon vom Auto gesprungen war, der andere bitterlich angefangen hatte zu weinen. Das war sehr rührend zu beobachten.

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Die große Menge an Schafen wollten wir aber doch bei einem Händler kaufen. Wir fanden einen sympathischen Senegalesen, der mit seinen schon größeren Kindern angereist war. Zwischen zwei Autos hatte er eine Plane gespannt und Liegen darunter aufgebaut. Es wirkte wie ein Beduinenzelt.

Zunächst bekamen wir alle Stühle angeboten. Dann wurde ein wenig über den Preis geredet und wieder geschwiegen. Eine Frau kam vorbei und verkaufte Donuts. In der nächsten Verhandlungsrunde kamen sie dann auf den Preis, den wir höchstens breit waren zu zahlen. Wir alle hatten aber das Gefühl, es ginge noch mehr. Wieder Schweigen, Scherzen und Ablenkung. In der Zwischenzeit hatten sie schon 50 Hammel von der Herde getrennt als kleinen Lockvogel für alle Beteiligten.

Die nächste Verhandlungsrunde stand an. Doch schließlich hatte der Händler ein Einsehen und verkaufte uns die Schafe 30 % unter unserer Schmerzgrenze. Die gesamten Spenden, abzüglich der Kosten, teilten wir durch den Preis pro Schaf und kamen auf 125 Schafe, plus die Zwillinge. Alhamdulillah. Gezahlt wurde dann im Beduinenzelt.

Dann die nächste Herausforderung, Kalilu wollte alle Schafe beim Aufladen kontrollieren, ob sie makellos sind. Das dauerte. Vier haben wir wieder zurückgegeben. Tiere mit abgebrochenen Hörnern, Risse in den Ohren oder kastrierte Hammel haben wir aussortiert. Der Besitzer meinte aber, wir hätten nur drei zurückgegeben. Also alle wieder runter vom Truck und noch einmal von vorn. Am Ende stimmte unsere Zahl. Schnell stellte sich heraus, dass wir nicht nur einen Truck benötigten, sondern drei. Eine Quittung musste auch noch her. Das läuft, wie bei den Bullen auch, über das zentrale Rechnungsbüro. Bei dieser Menge kam aber netterweise ein Mitarbeiter vorbei und brachte sie uns.

So hoben und schoben sie die Hammel erneut auf die Autos. Die Fahrer mussten die Quittung bei sich haben, falls sie von der Polizei angehalten werden. Nun hatten wir aber nur eine Quittung für drei Autos, schon hatte eine Polizistin versucht, einen Vorteil für sich herauszuschlagen. Aber wir konnten noch rechtzeitig eingreifen.

Kurz vor Maghrib waren wir dann endlich zu Hause und konnten die Hammel ausladen. Das Futter noch schnell gekauft, vier mannshohe Säcke Erdnussgras und die Tröge voller Wasser, dann konnten wir alle schlafen gehen. Die ganze Aktion hat mehr als fünf Stunden gedauert. Aber ich bereue keine einzige Minute. Sie alle waren das Abenteuer wert.

Am Morgen hatten sie alle wieder so großen Hunger, dass sie aufeinander losgingen. Neues Wasser und neues Futter beruhigte die Gemüter wieder. Vollgefressen legten sie sich dann zur Siesta nieder. Muhammed, der fast die ganze Nacht bei den Schafen verbracht hat, um aufzupassen, hatte einen Querulanten ausgemacht. Er meinte dann scherzhaft, „diesen bitte zuerst abgeben.“

Es dauerte nicht lange und schon kamen die ersten Empfänger. Sie waren so glücklich, einen Hammel zu bekommen und sprachen viele Gebete. Für die Kranken lieferte Kalilu den Hammel nach Hause. Etwa die Hälfte der Qurban konnten wir heute ausgeben. Morgen noch den Rest und ein wunderbares Projekt ist dann zu Ende. Möge Allah die Gebete der Empfänger und die Opfer der Schenkenden annehmen.

 

Deine Spende kommt an. Großen Dank an alles Spender, die dieses wunderschöne Ereignis möglich gemacht haben. Möge Allah es ihnen mehrfach ersetzen. Amin.

Diese Spende zählt bei uns zu den religiös motivierten Spenden. Wir bieten auch an, euer **Zakat** zu verteilen, zum Ramadanbeginn verteilen wir **Iftarpakete** und zum Ramadanfest, verteilen wir **Zakat-ul-Fitr** und schlachten Kühe, für ein schönes Festessen.
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